Behandlung des Hirnödems mit Boswellia Serrata
Vortrag von Dr. Nestler während des 24. Hirntumor- Informationstags 2009 in Würzburg - eine
Aktion der Deutsche Hirntumorhilfe e. v. aus D-04229 Leipzig, Karl-Heinestr. 27

April 2009 - Würzburg - 24. Hirntumor - Informationstag
Dr. med. Ulf Nestler, neurochirurgischer Oberarzt am Zentrum für Neurologie und Neurochirurgie der Universität Gießen, setzt sich vielseitig für die Optimierung der Therapie von Hirntumorpatienten ein. Dies geschieht sowohl mit Hilfe moderner Operationstechniken, durch Teilnahme an europaweiten Studien und auf dem Gebiet der experimentellen Laborforschung. Im Sinne der Therapieoptimierung hat Dr. Nestler auch wissenschaftliche Untersuchungen zum Einsatz eines Weihrauchextrakts (Boswellia serrata) durchgeführt. Er hat seine Erkenntnisse und Erfahrungen zur Therapie des Hirnödems mit dieser Substanz .
Neurochirurgische Universitätsklinik 1 am Zentrum für Neurologie und Neurochirurgie Klinikstr. 29 1 35392 Gießen 1 Telefon: 0641.99-45510
Die Therapie mit Boswellia serrata bei Gliomen
Hilft Weihrauch bei der Bekämpfung des Hirnödems oder sogar bei der Bekämpfung des Tumors? In ihrem Beitrag berichten Dr. med. Ulf Nestler und Prof. Dr. med. Michael. Winking über ihre Forschungen an der Universität Gießen und klären über den Stand der Erkenntnisse auf.
Boswelliasäuren sind entzündungshemmende Substanzen, sie gehören chemisch zu den „pentacyclischen Triterpenen” und werden durch alkoholische Extraktion aus dem Harz von Weihrauchpflanzen (Boswellia species) gewonnen. Haupteinsatzgebiet sind entzündliche Systemerkrankungen, wie z.B. Colitis ulcerosa (chronische Entzündung des Dickdarms). Erst in den letzten Jahren ist die Wirkung von Boswelia serrata bei Gehirntumoren näher untersucht worden.
Tumorödem
Ein nicht unerheblicher Teil der Symptome bei einer Hirntumorerkrankung ist auf das Umgebungsödem zurückzuführen, das der Tumor hervorruft. Das Ödem kann als eine Wassereinlagerung in das umgebende Hirngewebe betrachtet werden und führt zu einer Funktionsbeeinträchtigung eigentlich gesunder Areale. Als eine der auslösenden Ursachen für das Gehirnödem konnte die tumoreigene Produktion von Leukotrienen gesichert werden (1). Sie korreliert bei Gliomen mit dem Grad der Malignität und entspricht in Teilen einer Entzündungsreaktion. Aus der Idee heraus, die Leukotriensynthese des Tumors zu hemmen und damit das Ödem und die Symptome günstig zu beeinflussen, wurden die Boswellia-Präparate eingesetzt.
Boswelliasäuren
Ein entscheidender Schritt der Leukotriensynthese erfolgt durch das Enzym 5- Lipoxygenase. Die Synthese lässt sich im Reagenzglas durch unterschiedliche Stoffe hemmen, für die Anwendung im Hirngewebe kommen aber nur Stoffe in Frage, die die Blut-Hirnschranke überwinden.
Hier bieten sich die Boswelliasäuren an, da sie lipophile Eigenschaften aufweisen, das heißt, sich aufgrund ihrer chemischen Struktur unter anderem im Hirngewebe anreichern.
Die Boswelliasäuren werden vornehmlich mittels alkoholischer Extraktion aus dem Harz des indischen Weihrauchbusches Boswellia serrata gewonnen, das entstehende Präparat ist in Form von Tabletten auf dem Markt und trägt Namen wie H15 Gufic, Sallaki oder H15 Nahrungszusatz. Auch noch nicht in Tablettenform gepresstes Pulver kann erworben werden, Apotheken füllen es dann in Kapseln ab. Zum Teil ist auch das Harz der Pflanze selbst erhältlich. Für alle Präparate - auch die aus anderen Weihrauchpflanzen, wie z.B. Boswellia sacra (Südarabien) oder Boswellia carterii/frereana (Somalia) - gilt, dass die Wirkung vom Gehalt der Boswelliasäuren in der Tablette abhängt. Die in unseren Untersuchungen verwendeten Tabletten enthielten 400 mg Extrakt, davon sind ungefähr 40% Ketoboswelliasäure (KBA) und etwa 20% Acetyl-Ketoboswelliasäure (AKBA), weitere Boswelliasäuren sind in weit geringerer Konzentration ebenfalls enthalten. Welcher der Bestandteile des Boswelliasäure-Gemischs letztendlich die gewünschte Wirkung hervorruft, ist noch weitgehend unklar.
Ergebnisse der Laboruntersuchungen Boswelliasäuren entfalten verschiedene Wirkungen, über die eine Entzündungshemmung vermittelt wird und die den Rückgang des Hirnödems und die Verbesserung der Symptome erklären. Große Aufmerksamkeit riefen Veröffentlichungen hervor, die eine direkte Wachstumshemmung und Zerstörung menschlicher Tumorzellen in einer Zellkultur nachweisen konnten (Abb. 2). Die hierfür notwendige Konzentration der Boswelliasäuren betrug zwischen 57 und 124 pg/ml
(3), dies liegt um das Hundert- bis Tausendfache über den in unseren Untersuchungen gefundenen Boswelliasäure-Blutspiegeln bei Patienten und Probanden. Auch im Tiermodell ließ sich ein indirekter Einfluss der H15-Tabletten auf das Tumorwachstum feststellen, da eine Verlängerung der Überlebenszeit bei Tieren mit Gliomen nachgewiesen wurde. Die hierzu verwendete Boswelliasäure-Dosis lässt sich allerdings mit den derzeit auf dem Markt befindlichen Präparaten beim Menschen nicht erreichen.
Klinischer Einsatz - Pilotstudie Boswelliasäuren werden insbesondere bei entzündlichen Systemerkrankungen, wie z.B. Gelenkrheuma und entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt. Für diese Indikationen konnte in Einzelfällen auch die Übernahme der Behandlungskosten durch die Krankenkassen vor Gericht erstritten werden.
In einer eigenen klinischen Pilotstudie an 39 Patienten zur Behandlung von Glioblastomen konnte nachgewiesen werden, dass die Gabe der Boswelliasäuren eine Verminderung des Tumorödems ab einer Dosierung von 3x3 Tabletten H15 (= 3 x 1200 mg) am Tag mit sich brachte. Eine Verbesserung der neurologischen Symptome und des Befindens der Patienten wurde bei einer Dosis von 3 x 2 Tabletten H15 in ca. 35% der Patienten und bei 3 x 3 Tabletten H15 in etwa der Hälfte der Fälle beobachtet (2).
In Bezug auf die Überlebenszeit konnte allerdings in unserer daraufhin durchgeführten Placebo-kontrollierten Studie an 68 Personen mit Glioblastomen kein Unterschied zwischen behandelten und unbehandelten Patienten ermittelt werden. Dies spiegelt die Erfahrung der Laboruntersuchungen wider, dass eine ausreichend hohe .....
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